Hecke

Eine Hecke muss her,

zwischen mir und dir,

dieser Meter Abstand –

er reicht nicht mehr.

Suche II

Die Unerreichbarkeit dessen – was allzu lange als reale Möglichkeit einer Existenz gegolten hat – jemals an einen Ort, in einen Zustand zu gelangen, wo sich ein Gefühl der Zufriedenheit, der Ruhe, der Sicherheit einstellen würde, wo sich das Wirrwarr lichten, die Eindeutigkeit des Seins und des Sinns zurückerkämpft werden könnten, birgt die schleichende Gefahr der Rastlosigkeit und Ermüdung.

Und vielleicht sind es seltene Momente des intensiv erlebten Selbstbetruges, welche vor dem Einschlafen bewahren. Jene ungenauen Augenblicke, bei welchen sich der schwere Nebel zu lichten scheint, wo ein Hauch Glückseligkeit die Ungewissheit in Gewissheit umzuwandeln meint, wo das umkreisen ein Ende finden soll. Vielleicht dort, wo das Zukünftige noch im Kommen steht, wo das Vergangene den Augenblick nicht durchbrechen mag. Um sodann unmerklich festzustellen, dass sich jene Momente nicht als Momente halten konnten, sich ebenso schleichend entzogen wie sie aufgetaucht waren, jedoch die Hoffnung hinterliessen, dem Moment auf die Spur gekommen zu sein.

Zurück, kreisend, schwankend, müde, rastlos, hoffend.

Vielleicht, peut-être, maybe. Haltend an das, was Sein vielleicht sein könnte.

 

 

 

Wahrheit (Anmerkungen zur Suche)

Die scheinbare Möglichkeit darauf zu stossen, nach ihr graben zu können, sich seiner selbst als “wahr-sein-können” gewahr zu werden, das jeweilig Echte, einzig möglich Wahre auffinden zu können. Die Hoffnung, dass sich, falls sie sich finden lässt, daraus ein Gefühl der Vollkommenheit, ein Gefühl des Ankommens, gar der Reinheit, des „Eins-seins“, eben ein Gefühl des „Wahrheit-erfahrens“ einstellen würde; wohl daher das Wort „Selbst-ver-wirklich-ung“.

Was dem, so tönt es, im Wege zu stehen scheint, ist die Unumgänglichkeit des Werts, der Einteilung, der Zuweisung, die Einschreibungen der Sprache, welche die Unmöglichkeit des Dings an sich, des Dings ohne Wert und damit (zumindest in Bezug auf diesen Text) unaufhaltsam die Möglichkeit von Wahrheit verschlingt. „Weil er Dinge ohne Wert, die wirklich und einfach da waren, nicht entdecken konnte.“

Zu zweit, in einem illusionären Akt der Liebe schien ein Loch, ein Ort der Sprachlosigkeit, des Wertlosen, des Uneingeteilten sich zu eröffnen. Dort wo die Sprache versagt, das unsagbare unsagbar bleibt, wo sich die Einteilungen zu entziehen scheinen, im Kommen bleiben, wo das Ereignis stattfindet, sich ankündigt ohne Ankündigung. Wo Vor-und Nachzeitigkeit zu einem Moment verschmelzen sollten.

Vielleicht dort, wo ich sie (sei es nun die Liebe, der Andere, die Wahrheit, mich Selbst) immer schon verloren habe!

 

Suche!

Er suchte wohl nach etwas Wirklichem. Nach etwas dem er nicht selbst zuerst einen Wert zusprechen musste. Zur Suche ging er auf Reisen, doch in fremden Ländern fand er nur andere Systeme um den Dingen, Menschen und Verhaltensweisen Werte zuzuschreiben.

Er versuchte in sich hinein zu gelangen und aus sich heraus zu kommen. Er versuchte mit jemandem zusammen die Wirklichkeit aus einem Kraftakt der Liebe heraus als Illusion heraufzubeschwören, was für einen flüchtig erscheinenden Moment gelang. Er suchte nach sich selbst, seinem wirklichen Selbst. Er wollte sich verwirklichen. Er kämpfte sich von narzisstischen Trugbildern zu als Chimären auftretenden Scharlatanen, um zu sehen und zu hören, wer er denn wirklich sei.

Er veränderte sein Leben immer wieder, versuchte etwas zu erschaffen das wirklich war. Doch aus dem utopischen Wunsch nach Selbstverwirklichung, wurde eine pragmatische Planung der Selbstverwertlichung – weil er Dinge ohne Wert, die wirklich und einfach da waren, nicht entdecken konnte.

Die Bilder wurden in diesem Text ausserhalb des ursprünglichen Kontextes eingesetzt und stammen aus: Shaun Tan The Arrival

Produkte als Charaktere

Am Ende der neusten South Park Staffel (S19 E8-10) geht es um die Entwicklung der Werbung. Während zu Beginn klar sichtbar ist, wo Werbung beginnt und wo sie aufhört, verschwindet diese Grenze im Verlauf der drei zusammengehörenden Episoden immer stärker. Am Ende können die Akteure nicht mehr zwischen Welt, Charakteren und Werbung unterscheiden. Das hört sich nun etwas genialer an als South Park tatsächlich ist. Trotzdem gelingt es der Serie ein Phänomen zu behandeln, welches für andere Formate schwer fassbar zu sein scheint.

Bildergebnis für south park ads

Durch die Möglichkeit Werbespots beim Fernsehen zu überspringen und den eigenen Browser mit einem Addblocker aufzurüsten, sind Firmen die uns auf Ihre Marken und Produkte aufmerksam machen wollen, darauf angewiesen ihre Botschaften dort zu platzieren wo wir hinsehen. Oft geschieht dies auf simple Weise. Wie wenn James Bond seinen, mit ultra hell leuchtendem VAIO Logo versehenen, Laptop zuklappt nur, weil Sony die Produktionsfirma der Filme des Doppelnull Agenten ist.

Bildergebnis für james Bond vaio

Die Grenze verschwimmt aber dort auf interessante Art und Weise wo die Charaktere der Geschichten tatsächlich mit der Marke, der Botschaft oder gar dem Produkt verschmelzen. Ein gutes Beispiel dafür ist Wilson, der Ball aus Cast Away. Tom Hanks ist der Mensch dem die Amerikaner am meisten vertrauen, alle Politiker eingeschlossen. Was kann einer Firma Besseres passieren, als ihr Produkt als bester Freund dieses Mannes auf einer einsamen Insel darzustellen. Das Produkt tritt als Charakter auf, welcher den Namen der Marke trägt.

Zu einer ähnlichen Szene kommt es in Forest Gump als Tom Hanks das Nike Logo erfindet – den Schuh den Forrest dann bis zum Ende des Filmes trägt, kann gekauft werden.

Ein weiteres Beispiel für die Verschmelzung von Charakter und Produkten ist die im vergangenen Jahr abgeschlossene Serie Mad Men. Darin überlegen sich hochstilisierte Werbemenschen in den 1950er Jahren, wie sie heute berühmte Marken mit miesen Tricks bekannt machen können. Sie entwerfen Strategien für Lucky Strike, Hochglanzinserate für Jaguar und Plakate für Hershey’s. Der eigentliche Kniff ist aber die Serie selbst.

In Mad Men treten die Firmen als Kunden des Hauptcharakters auf und werden so fassbar. Ausserdem werden die Marken mitten in einer Zelebration des Lebensstils der 50er präsentiert, in denen die Welt noch in Ordnung war und die Frau zu Hause. Damit lassen sich Botschaften und Rollenbilder symbolisieren die heute, ohne Verpackung durch das Narrativ der Serie, nicht mehr akzeptiert werden würden. Dies macht die Serie zu einem Werk, dass tatsächlich keine Werbepausen mehr braucht. So zeigen manche Szenen das Set eines Werbespots, bei Coca Cola beispielsweise mit der Frau des Hauptcharakters in der Hauptrolle.

Überall wo hingesehen wird, kommt es zu einer riesigen Nachfragen von Werbeflächen. Öffentliche Orte mit hohem emotionalen Gehalt (ein gutes Beispiel sind Stadien) werden bereits an den Höchstbietenden verkauft. Gewisse Energy Drinks und andere Produkte bekannter Marken tauchen in der Pornografie auf. Unternehmen decken Besitzer von beliebten Instagram Accounts oder Youtube Channels sowie Prominente mit haufenweise Geld ein, sofern diese ihre Produkte auf Social Media Plattformen tragen, testen oder erwähnen. Auch die Personen des öffentlichen Lebens werden damit zu Plakatwänden. Die Charaktere der Öffentlichkeit verschmelzen immer mehr mit den platzierten Botschaften, Produkten und Marken. In David Foster Wallance’s Invitite Jest erreicht der Ausverkauf die Jahreszahlen. Dort leben die Menschen dann 365 Tage lang im Jahr der Inkontinenz Unterwäsche – Wie grausam.

Schliesslich wirkt dieser Prozess aber auch in die Andere Richtung und erreicht so die Persönlichkeitsstrukturen der einzelnen Individuen. Unter anderem durch die Identifikation mit der Welt die wir sehen und in der wir leben sowie mit den Medien die wir konsumieren, werden wir zu einer Summe von Produkten die wir konsumieren und damit andere Leute dazu bringen es uns gleich zu tun. Denn in einer Welt in der sämtliche Tätigkeiten mit einem Produkt oder einer Marke in Verbindung stehen, gibt es keine Einschreibeflächen für die Bildung von Subjekten ausserhalb der von Werbung durchtränkten Umgebung. An dieser Stelle kommt es zur Kernschmelze zwischen Charakter und Produkt.

Tetris

Tetris ist genau so langweilig wie alle anderen Medien. Alles wird so dargestellt, nein alles ist darauf ausgelegt, eine Welt zu zeigen in der all die unterschiedlichen Teile auf ein langes Glied warten das ihre Lücke ausstopft, sie erfüllt und ans Ziel bringt.