widdewidde wie sie mir gefällt

“2 x 3 macht 4 –
widdewiddewitt und 3 macht 9e !
Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …”

– Pipi Langstrumpf

Die Zeichnung bietet einen persönlichen Blick auf die Welt und darin werden auch immer eigene Wünsche in das Bild projiziert. So wie die Wünsche und Deutungsmuster von Pipi und Fräulein Prüsselius unterschiedlich sind.

Die 4 Level

Gastbeitrag von Simon C. Und Kollegen.

Level 1: Bibel – Das Wort Gottes

Die Bibel ist unfehlbar. Sie ist 1:1 das Wort Gottes, von Ihm diktiert, von Menschen niedergeschrieben. Die Aussagen sind „Interpretations invariant“, sie haben universellen Gültigkeitscharakter. So wie die Worte stehen, sind sie direkt an den Leser gerichtet.

Level 2: Bibel – Das zu interpretierende Wort Gottes

Die Bibel ist unfehlbar. Sie ist 1:1 das Wort Gottes, von Ihm diktiert, von Menschen niedergeschrieben. Die Eigentliche Aussage bedarf aber immer einer Interpretation. Die Bibel ist ein Bild des Wort Gottes entsprechend der jeweiligen Umständen und Zeit. Um an die Nachricht für die persönlichen Umstände zu gelangen, muss man die Umstände zum Zeitpunkt der Niederschrift kennen, die Kernnachricht dementsprechend deuten und auf die die heutige Zeit anwenden: So wie die Worte stehen, sind sie nur an die Leser von damals gerichtet.

Level 3: Bibel – Das Zeugnis von Gottes Werk

Die Bibel ist fehlbar. Sie ist nicht das Wort Gottes. Sie wurde von Gottesfürchtigen Menschen verfasst. Nach besten Menschenkenntnisse wurde aufgeschrieben, wie ein Leben nach Gottes Augen zu führen ist und wie damals Gott gewirkt hat. Menschen lernen aber auch dazu, daher sind Aussagen teils auch durch Bessere zu ersetzten. Gott spricht aber durchaus durch die Bibel.

Level 4: Bibel – Ein wichtiges altes Buch

Die Bibel ist fehlbar. Es ist der Versuch von Menschen, göttliches zu schaffen. Es gibt auch andere solche Bücher. In ihrem Umfang ist aber doch ein wichtiges Zeugnis vergangener Kultur.

 

 

Typischen Aussagen

Aussage Level
1 2 3 4
Ist dies biblisch? x x
Diese Bibelstelle belegt, … x
Da gibt es eine Parallelstelle, … x x
Der Urtext sagt, … x x x x
Wenn wir die beiden Abschnitte vergleichen, sehen wir eine Entwicklung x x
Da sehen wir den Einfluss einer anderen Kultur x x
Damals hatte dieses Wort auch folgende Bedeutung x
In dieser Geschichte sehen wir Gottes Handeln x x x
Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott x x

Wider den Transhumanismus – NZZ 19.6.2017

https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-gefaehrliche-utopie-der-selbstoptimierung-wider-den-transhumanismus-ld.1301315

“Wir halten es für verfehlt, das Leben in seiner Gesamtheit unter einem Begriff der Information zu subsumieren. Wir halten es ferner für naiv, von einem unkritisch angeeigneten Begriff, der Information als quantifizierbare und messbare Entität beschreibt, zu einer erschöpfenden Ontologie aller Wirklichkeit fortzuschreiten. Der Begriff der Information hat sich in Wissenschaft und Technik als nützliches Instrument erwiesen. Aber er ist weder fundamental noch zur Betrachtung sämtlicher Aspekte menschlichen Lebens geeignet.

Bestimmte Aspekte menschlichen Wahrnehmens, Denkens und Handelns mögen sich als Informationsverarbeitungsprozesse modellieren lassen. Andere nicht. Hierzu gehören emotionale Intelligenz, praktische Tugenden wie Weisheit oder Klugheit, die uns zu qualitativen ethischen Urteilen befähigen, subjektives Erleben und phänomenologische Dimensionen von Wahrnehmung, Denken, Handeln und Voraussicht usw.”

–> Die menschliche Sprache unterscheidet sich von anderen Kommunikationssystemen durch die Tatsache, dass sie Bedeutungen ausdrückt und nicht nur Informationen symbolisiert und übermittelt. Daher wird die künstliche Intelligenz die Sprache nie in ihrer Vollständigkeit verstehen und anwenden können.

Lebens-ent-wurf

Ein Lebensentwurf ent-wirft das ins Dasein geworfene. Er ent-wirft – im Sinne eines ent-, welches den Wurf seines Wurfes entbehrt – ein Zukünftiges, er ist ein ausstrecken nach zukünftigem Seienden. Einem Seienden, in welchem sich ein Subjekt nur als Wurf, im Sinne der dem Sein anhaftenden Kontingenz als Dasein, als verschwindende Markierung konstituiert. Der Lebens-ent-wurf, so könnte man sagen, steht dem entgegen, was das Ge-worfen sein – im Sinne des Seins im Dasein als Unmöglichkeit einer Kontinuität – als Seinsform meint. Ein Lebens-ent-wurf, ent-wirft den Wurf, als er eine performative – und damit Kontingenzeinschränkende – Bezugnahme auf das noch im Kommen stehende darstellt; macht damit den Wurf „fassbar“.

Zugleich steht das ent-werfen eines Wurfes stets dem Ereignen eines Ereignisses im Wege. Der Ent-wurf stellt möglicherweise den Versuch dar, die vom Ereignis ausgehende Gefahr des Unmöglichen zu verbannen, die Angst vor dem zu dämmen, was sich im Wurf ereignen könnte; es zumindest zu zeitigen.

Damit bleibt ein Lebens-ent-wurf eine mögliche Unmöglichkeit, die jeweils eigene, ins Dasein geworfenen Existenz vor dem Wurf zu ent-werfen.

Der Vergessene

Niemand wusste mehr, ob er erwartet wurde, was ihn erwarten würde. Er wollte zurückkehren in eine Welt, in der Mann hämmerte. Doch diese Welt war verschollen. Niemand fand diese Orte an denen man Schulter an Schulter zu Werke ging und abends mit dem guten Gefühl gemeinsam gelitten zu haben Bier trank. Es gab diese Geschichten von früher, Legenden und Mythen aus einer Zeit in der noch gemeinsam angepackt worden war. Doch er fand keine solche Gemeinschaft und die Welt war für alle jene die nicht alleine sein wollten, gemeiner geworden. Er versank in dieser Allgemeinheit.

Niemand wusste mehr ob er zuerst traurig geworden war und deshalb nicht mehr schlafen konnte oder ob er nicht mehr hatte schlafen können und deshalb traurig geworden war. Die Trauer aber stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sie war eingemeisselt in jede Falte, die seinen Mund umgab und durchzog jede Furche seiner Stirn. Er war kein alter Mann doch die Trauer machte in zu Greisen. Sein matter Blick überflog die Welt vor ihm teilnahmslos, so als wäre er der Betrachter einer Umgebung mit der er nichts zu schaffen hatte. Vielleicht lag er richtig.

Beobachtet

Sag mir bitte, liebe Welt,

wer dir deinen Glauben nahm

oder warum ist dein Blick

– stets so aufmerksam?

Peter Bichsel über Erfahrung

“‘Erfahrung ist immer eine Parodie auf die Idee’, steht dort an der Wand. Das ist von Goethe. In den Notizen seiner ersten Schweizer Reise. Das ist ihm gerade bei diesen Schweizer Bünzlis eingefallen. An die Weisheit des Alters glaube ich nicht. Habe ich auch nie erlebt. Und Erfahrungen machen die jungen Leute, nicht die Alten. Erfahrung ist etwas Aktives, etwas, was man macht, nicht etwas, was man hat.”

Quelle: http://www.derbund.ch/kultur/buecher/ich-halte-mich-fuer-schwer-ueberschaetzt/story/31992502

Maskierte Markierungen

Die Hälfte der Menschen muss eine Maske tragen.

Muss das Gesicht verhüllen, unsichtbar bleiben,

soll sich diese Markierungen einverleiben.

 

Sie tragen Tücher, manchmal fast Säcke,

Punkte auf der Stirn, Ringe um den Hals,

Sie schmieren sich Farbe ins Gesicht,

verstecken ihre Wangen hinter Puder.

 

Manchmal werden sie dazu gedrängt,

oft sind sie frei sich selbst dazu zu zwingen,

die anderen Menschen dazu zu bringen,

zu erkennen wo es erlaubt ist einzudringen.

Hecke

Eine Hecke muss her,

zwischen mir und dir,

dieser Meter Abstand –

er reicht nicht mehr.

Sozialistischer Biedermeier – Kurt Bartsch

Zwischen Wand- und Widersprüchen
Machen sie es sich bequem.
Links ein Sofa, rechts ein Sofa,
In der Mitte ein Emblem.

Auf der Lippe ein paar Thesen,
Teppiche auch auf dem Klo.
Früher häufig Marx gelesen.
Aber jetzt auch so schon froh.

Denn das „Kapital“ trägt Zinsen:
Eigenes Auto. Außen rot.
Einmal in der Woche Linsen.
Dafür Sekt zum Abendbrot.

Und sich noch betroffen fühlen
Von Kritik und Ironie.
Immer eine Schippe ziehen,
Doch zur Schippe greifen nie.

Immer glauben, nur nicht denken
Und das Mäntelchen im Wind.
Wozu noch den Kopf verrenken,
Wenn wir für den Frieden sind?

Brüder, seht die rote Fahne
Hängt bei uns zur Küche raus.
Außen Sonne, innen Sahne.
Nun sieht Marx wie Moritz aus.

Vater, Heinz. (1992). Einführung in die Textlinguistik: Struktur, Thema und Referenz in Texten. München: W. Fink Verlag

 

Die dunklen Seiten der Empathie

Abschliessende Gedanken zu einer Lektüre

„In diesem Buch wird Empathie als Mit-Erleben (co-experience) definiert […]. Mit-Erleben beinhaltet […] deutlicher als das Teilen von Gefühlen und Affekten auch Aktionen und vor allem zahlreiche kognitive Prozesse wie das Vorausschauen, das Erwägen der Umstände und das Mitüberlegen, was zu tun ist.“ (Breithaupt, 2017, S. 15ff)

Breithaupt weicht mit seiner Empathie-Definition gegenüber herkömmlichen Bestimmungen von Empathie dahingehend ab, dass er diese nicht nur als Ein-fühlungs-vermögen definiert, sondern die reflexiven Denkakte betont, welche dabei eine Rolle spielen. Damit vermeidet er zwar den Fehler, Affekte und das bewusste Denken als zwei strikt getrennte kognitive Areale zu betrachten, aber er büsst die Möglichkeit ein, analytisch zwischen „Einfühlen“ und „Nachvollziehen“ zu unterscheiden. Gemäss Breithaupt ist der emotionale Zustand eines Anderen nie erfahrbar. Wir fühlen also nicht mit dem Anderen mit, sondern mit dem stark vereinfachten Bild, welches wir uns von den Gefühlen des Anderen machen. Wie steht es aber um das Nachvollziehen der Lage eines Anderen, sofern diese Lage durch äussere Bedingungen gekennzeichnet ist. Mir scheint es durchaus möglich, mich anhand von zentralen Indikatoren in die schwierige finanzielle Lage eines Anderen zu versetzen, ohne dass ich die Gefühle wie Frust oder Angst miterlebe, welche der Andere in seiner Lage erlebt. Und anders als das Mit-Erleben, welches Breithaupt als Verstärker von Konflikten beschreibt, scheint mir das Nachvollziehen der Situation eines Anderen als Bedingung jedes Konsenses. Einen weiteren Unterschied sehe ich darin, dass das Mit-Erleben gemäss Breithaupt die Komplexität einer Situation senkt, da es eindeutige Emotionen schafft, während die De-Zentrierung der Situationsanalyse durch den Nachvollzug der Lage des Anderen die Komplexität erhöht, da ich erst dadurch die Handlungen des Anderen in meine Situationsanalyse und Handlungsplanung einbeziehen kann und muss. Ich denke, dass das sich in die Lage eines Anderen versetzen auch helfen könnte, spontane, einseitige Empathie-Bekundungen zu reflektieren, wie sie Breithaupt in seinem Buch kritisiert.

Der Autor beschreibt Empathie als Ursache und nicht als Lösung von Konflikten.

Fritz B.* geht davon aus, dass in Zeiten des Neoliberalismus das Selbst zunimmt und die Empathie dadurch reduziert wird.

Empathie benötigt Narrative als Transporter.

Empathie wird grundsätzlich abgeblockt, es sind bestimmte Bedingungen notwendig, damit Empathie entsteht.

Empathie festigt schnelle Urteile und diese Festigung erlaubt klare Verhaltensformen (S. 109).

Imaginär in der Situation eines anderen zu sein, unterscheidet sich grundsätzlich davon, sich selbst direkt in der Situation zu befinden. Einer der Unterschiede besteht darin, dass (meistens) ein Bewusstsein einer Differenz zwischen ich und anderen bestehen bleibt (S. 16 – 17).

Es gibt einen Drang zu Empathie. Man kann auch zu nicht lebenden Dingen Gefühle entwickeln (S. 81).

Man empfindet hauptsächlich mit den Helden von Geschichten Empathie und nicht mit den Leidenden.

*Name der Redaktion bekannt.

 

Zweck und Funktion

Bilder früherer Synagogen in Polen und der Ukraine. Die Spuren eines ausgelösten Volkes. Was geschieht mit den Stätten einer nicht mehr vorhanden Kultur? Es werden Wohnhäuser, Turnhallen oder Strassen daraus. So steht der Welt ihr Trauma ins Gesicht geschrieben. Die Erinnerungen werden überschrieben, durch die Zeit verwaschen, doch das Geschehene bleibt sichtbar.

Synagoge Busk, Ukraine

Synagoge Horodenka, Ukraine

Synagoge Bratslav, Ukraine

Bilder von:

“Present, Absent – Jewish Heritage in Eastern Europe” Photo Exhibition Opened in Berlin